Stammzellen und Organmangel
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Moderne Zelltherapien könnten möglicherweise ein Ausweg aus dem in Deutschland chronischen Organmangel sein. Denn während der Bedarf für Organe, vor allem für eine neue Niere, stetig wächst, bleibt die Zahl der Spender seit Jahren unverändert niedrig. Zwei Ansätze verfolgen Biomediziner aktuell, um dem zu begegnen:
1. Stammzellen können die Regeneration von Geweben und Organen nach Unfällen oder akuten Erkrankungen, z.B. nach einem Herzinfarkt wieder anregen. Dazu werden körpereigene Stammzellen aus dem Knochenmark der Patienten entnommen und direkt ins geschädigte Gewebe injiziert. An den Universitäten Frankfurt, Rostock und Düsseldorf haben schon dutzende Herzinfarktpatienten von diesem Verfahren profitiert. Künftig können auch die Zellen aus dem Nabelschnurblut zum Einsatz kommen – vorausgesetzt, der Patient verfügt über eigenes eingelagertes Nabelschnurblut. Auf diese Weise könnte der Bedarf an Spenderorganen langfristig gesenkt werden.
2. Einen anderen Weg geht das Tissue Engineering, bei dem passende Gewebe und Organe hergestellt werden. Dabei werden körpereigene Stammzellen auf einem Gerüst angesiedelt, mit Wachstumsfaktoren stimuliert und in einem Nährmedium kultiviert. Durch Differenzierungsprozesse können auf diese Weise Gewebe und künftig vielleicht sogar komplexe Organe wie eine Niere gezüchtet werden. Der Vorteil dieser Gewebe ist, dass sie vom Körper als eigen erkannt und somit nicht abgestoßen werden. Anders als bei Spenderorganen müsste der Patient also keine Immunsuppresiva einnehmen und eine langwierige Suche nach einem passenden Spender könnte entfallen. Zellen aus Nabelschnurblut sind für das Tissue Engineering besonders gut geeignet, da sie noch nicht spezialisiert sind und durch ihre Jugendlichkeit eine sehr große Differenzierungs- und Vermehrungsfreude aufweisen. Knorpel, Knochen, Blutgefäße und Haut können die Forscher heute bereits nachbilden, die ersten Menschen leben mit solchen Implantaten. Biologische, mitwachsende Herzklappen wurden bereits im Labor hergestellt und zeigen im Tiermodell vielversprechende Ergebnisse. Der Weg zur Züchtung von komplexen Organen ist allerdings noch weit.
