Geschichte der Stammzellforschung

Aus Nabelschnurblut Wiki

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1963: Die kanadischen Forscher Ernest A. McCulloch und James E. Till entdecken als Erste im Knochenmark von Mäusen blutbildende Stammzellen. Diese können sich in unterschiedliche Arten von Blut- und Immunzellen differenzieren.

1969: Der Amerikaner E.D.Thomas realisiert in Seattle/Washington die erste erfolgreiche Knochenmark-Transplantation beim Menschen. Dabei wird ein Leukämiepatient durch eine Geschwisterspende gerettet.

1978: Wissenschaftler finden heraus, dass Nabelschnurblut pluripotente blutbildende Stammzellen enthält. Solche Zellen können sich in viele Gewebearten verwandeln.

1981: Forscher um den Briten Martin Evans entdecken bei dem Versuch, Genveränderungen an Mäusen vorzunehmen, zufällig die embryonalen Stammzellen. Es gelingt ihnen, sie im Labor zu isolieren und sie zu vermehren.

1988: In Paris wird die erste Nabelschnurblut-Transplantation durchgeführt. Ein Kind, das an Fanconi-Anämie leidet, bekommt Blut von einem seiner Geschwister und kann geheilt werden. Damit tritt Nabelschnurblut als zuverlässiger Stammzell-Lieferant und neue „Waffe“ gegen Krankheiten in das Bewusstsein von Medizinern und Naturwissenschaftlern.

1998: US-Wissenschaftler schaffen es erstmalig, dass sich embryonale Stammzellen vom Menschen im Labor stabil vermehren.

1999: Aus embryonalen Stammzellen von Mäusen werden Nervenzellen gezüchtet. Sie werden anderen Mäusen transplantiert, die an einer Art Multipler Sklerose erkrankt waren. Die Tiere werden dadurch gesund.

Später in diesem Jahr gelingt es mit dem Zellmaterial auch,Rückenmarkverletzungen bei Ratten zu lindern.

2000: Gehirnstammzellen von Mäusen werden in unterschiedliche Umgebungen transplantiert und zeigen die Fähigkeit, sich in Zellen verschiedener Gewebe zu entwickeln. Je nach Umgebung können sie sich in Herz-, Lungen-, Leber-, Nieren- und Nervengewebe verwandeln.

2001: Forscher in den USA klonen erstmals menschliche Embryonen, um Stammzellen von ihnen zu gewinnen, während embryonale Stammzellen der Maus bereits zu insulinproduzierenden Zellen differenziert werden. Gleichzeitig etabliert sich Nabelschnurblut im klinischen Bereich immer stärker als ethisch unbedenkliche Alternative zu Stammzellen von Embryos: Ratten, die einen Schlaganfall erlitten hatten, erhalten eine Transplantation des Blutes. Dadurch können ihre Hirnschäden gemildert werden. In den Folgejahren kommt es mehr und mehr zu erfolgreichen Nabelschnurblut-Transplantationen beim Menschen, durch die Krankheiten geheilt oder gelindert werden können. Zu diesen Krankheiten zählen neben Hirnschäden etwa Typ-1-Diabetes, Sichelzell- und Aplastische Anämie oder Leukämie.

An der Rostocker Uniklinik werden einem Herzinfarktpatienten Stammzellen aus Knochenmark, wie sie auch im Nabelschnurblut vorkommen, transplantiert. Dadurch werden eine bessere Durchblutung des Herzmuskelgewebes sowie eine Kräftigung des Herzschlags erreicht. Bis zum heutigen Tag behandelt die Rostocker Forschergruppe um Dr. Alexander Kaminski erfolgreich 90 Herzinfarktpatienten.

2003: Dr. Michael John aus München behandelt erstmals degenerative Bandscheiben mit Stammzellen aus dem Knochenmark. Wie John später erklärt, eignen sich für diesen Zweck auch Zellen aus Nabelschnurblut.

2005: Forscher der Kingston University in Großbritannien finden im Nabelschnurblut eine neue Art von Stammzellen, die über ähnliche Eigenschaften wie embryonale Stammzellen verfügen. Ihre Entdeckung nennen die Wissenschaftler „cord-blood-derived embryonic-like stem cells“ (CBEs) – zu deutsch: „quasi-embryonale Stammzellen, die aus Nabelschnurblut gewonnen werden“. Ein künftiger Einsatz für klinische Zwecke gilt als wahrscheinlich.

Prof. Dr. Karl Welte (Medizinische Hochschule Hannover, MHH) nimmt die erste Transplantation von privat aufbewahrtem Nabelschnurblut in Deutschland vor: Ein sechsjähriger Junge aus Niedersachsen, der an Aplastischer Anämie leidet, wird mit dem Nabelschnurblut seines Bruders therapiert. Nach einem Jahr gilt das Kind als geheilt.

2007: Wissenschaftler der Universitäten Kyoto und Wisconsin verwandeln adulte Stammzellen durch Reprogrammierung in einen praktisch embryonalen Stand zurück. Solche Zellen heißen induzierte pluripotente Stammzellen(iPS) und können sich in alle Gewebetypen differenzieren. Eine massenhafte Herstellung von iPS ist allerdings bisher nicht möglich.

Noch im selben Jahr gelingt es Forschern in Cambridge/Massachusetts, Mäuse mit Hilfe der neuen Zellen von einer Sichelzellanämie zu heilen.

Dies schaffen sie durch eine Transplantation von iPS, die sie so präparieren, dass sie zu Blutzellen heranwachsen.

Das Duke University Medical Center in den USA behandelt regelmäßig Kinder mit Hirnschäden mit Hilfe von Blutstammzellen aus Nabelschnurblut, wodurch sich ihr Zustand deutlich verbessert. Bisher sind mehr als 60 erfolgreiche Behandlungen zu verzeichnen.

Auf dem Weltkongress für regenerative Medizin in Leipzig präsentiert Dr. Simon Hoerstrup von der Züricher Uniklinik seine Ergebnisse zur Herstellung von Herzklappen aus Knochenmark- und Nabelschnurblut-Stammzellen. Da hierfür körpereigene Zellen des

Patienten verwendet werden, können Abstoßungsreaktionen, wie sie bei künstlichen Herzklappen vorkommen, vermieden werden.

2008: Eine Gruppe amerikanischer Forscher um Robert Lanza isoliert von Mäuseembryos jeweils ein bis zwei Stammzellen, ohne die Embryos zu zerstören. Damit wären embryonale Stammzellen ethisch unbedenklich zu gewinnen. Jedoch überleben nur 85% der Embryos die Versuche, was diese Hoffnung zunichte macht. So kritisiert auch Hans Schöler, Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin, dass diese Art, an Stammzellen zu gelangen, den Embryo sehr wohl schädigt.

Stammzellen aus Nabelschnurblut und andere adulte Zellen behalten damit ihren Vorteil gegenüber embryonalen Stammzellen: Nur sie können ohne ethische Bedenken gewonnen werden.

Prof. Dr. Ursula Anderer forscht an der FH Lausitz seit Jahren an der künstlichen Herstellung von Gewebe außerhalb des Körpers (Tissue Engineering). Ihr aktuelles Projekt ist die Züchtung von Knorpelgewebe mit Hilfe von Stammzellen. Nun erklärt Prof. Anderer, dass sie künftig zu diesem Zweck auch mit Zellen aus dem Nabelschnurblut arbeiten wird.

In einem Interview berichtet Dr. Nicole zur Nieden von ihrer langjährigen Forschung an embryonalen Stammzellen, um an der Behandlung degenerativer Erkrankungen wie Osteoporose zu arbeiten. Nach den Worten der Wissenschaftlerin vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig ist es möglich, ihre Forschungsansätze auf Nabelschnurblut zu übertragen. Die Anwendungsgebiete für dieses werden laut der Expertin künftig breit gefächert sein. – Ein weiteres Forschungsprojekt von Dr. zur Nieden ist der Versuch, Nabelschnurblut-Stammzellen im Labor zu vermehren. Dies wäre ein großer Fortschritt für die medizinische Anwendung.

2009: In diesem Jahr kommt es zur ersten Anwendung von Nabelschnurblutbei einem Hirnschaden in Deutschland. Prof. Dr. Arne Jensen

transplantiert in Bochum einem Kind dessen eigenes, bei der Geburt eingelagertes Blut.

Die Technische Universität (TU) München und die Nabelschnurblutbank VITA 34 beginnen eine Studie zur Wirksamkeit von Nabelschnurblut gegen Typ-1-Diabetes. Dabei wird die Möglichkeit, Kinder mit Hilfe ihres eigenen Blutes aus der Nabelschnurblut zu heilen, langfristig untersucht. Die Leitung übernimmt Prof.Dr. Anette-Gabriele Ziegler vom Krankenhaus München-Schwabing.


Wissenschaftliche Quellen:

zu 1963: Becker,A.J./McCulloch,J.E./Till, J.E.: Cytological

Demonstration of the Clonal Nature of Spleen Colonies Derived from Transplanted Mouse Marrow Cells, Nature 197, 452 - 454 (2.2.1963)

zu 1969: Wilms et al.: Knochenmarktransplantation bei Patienten mit

Leukämien, Journal of Molecular Medecine (Oktober 1982)

zu 1978: Prindull et al.: Haematopoietic stem cells (CFUc) in human cord

blood, Acta Paediatr Scand. 67(4):413-6 (Juli 1978)

zu 1981: Evans, M.J., et al.: Establisment of culture in pluripotent

cells of mouse embryos, Nature 292: 154-156

zu 1998: Thomson, J.A. et al.: Embryonic stem cell lines derived from

human blastocysts, Science 282 (5391): 1145–7

zu 2001: Cibelli, J.B./Lanza, R.P./West, M.D./Ezzell, C.: The First

Human Cloned Embryo, Scientific American (November 2001) Dimmeler S., et al.: Unchain my heart: the scientific foundations of cardiac repair, J Clin Invest 115 (2005), 572-583

zu 2005: McGuckin, C. et al.: Embryonic-like stem cells from umbilical

cord blood Artikel als pdf

zu 2007: Cyranoski, D.: Simple switch turns cells embryonic, Nature 447

(7145): 618–9

zu 2008: Chung et al.: Cell Stem Cell Abstract

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